Inge Noeninger
(translation of Hugh Hazelton's poem)

Ich komme zu Dir
        hinab von den Bergen
        wo der Nebel wie in unzähligen
        Säulen aus dem Dschungel aufsteigt

Ich komme zu Dir
        auf dem Pfad mitten durch große erfrischende Palmen
        und gigantische Farne
        den frischen Duft des Regens verbreitend

Ich komme zu Dir
        die Brücke sieht mitgenommen aus
        alle steigen vom Laster
        und bauen sie wieder auf mit losem Gestein

Ich komme zu Dir
        der Gehilfe des Fahrers ruft ihm beschwörend zu
        „Nur nicht einschlafen, nur nicht einschlafen!“

Ich komme zu Dir
        und warte im Hafen am Fluss
        in staubigen Straßen beim Abendpoker
        mit dem Hotelbesitzer und seinen Spießgesellen

Ich komme zu Dir
        auf dem Blechdach eines Boots
        beim ohrenbetäubenden Lärm des Schornsteins
        auf dem Rücken liegend und in den Himmel über dem Amazonas starrend
        vorbei an dem Gerippe eines Wildschweins
        das da in der Sonne vor sich hin trocknet

Ich komme zu Dir
        fünf Tage per Anhalter und in schlammbedeckten Bussen
        ihnen beim Abholzen des Waldes zuschauend
        tagträumend, eindösend

Ich komme zu Dir
        mit einem alternden Gesicht und von Fehlschlägen geprägten Händen
        voller Pläne und unerfüllbarer Wünsche
        und mit einem angeschlagenen, wieder auflebenden Glauben

Ich komme zu Dir
        weil Du Liebe gibst
                und Gerechtigkeit für andere verlangst
        weil Du stundenlang in Wasserlachen am Strand watest
                und die Formen des Lebens betrachtest
        weil wir aufhören zu existieren wenn wir uns lieben
                weil es Dich gibt
Komme ich zu Dir.

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